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Hautklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler
Hautklinik, Uni-Klinikum

Erlanger Wissenschaftler erringt Etappenerfolg in der HIV-Forschung

Erlanger Professor1 Andreas Baur gewinnt spektakuläre Erkenntnisse in der Aids-Forschung: Gesunde Helferzellen werden von infizierten Zellen angegriffen – Das einzige bislang noch unerforschte Protein des Virus als Schlüssel zur Lösung des Aids-Rätsels – Zelltod nicht infizierter Helferzellen ausschlaggebend für den Ausbruch der Immunschwäche – Veröffentlichung in Expertenzeitschrift „Cell Host & Microbe“

 ERLANGEN – Als 1983 das erste Mal das HI-Virus isoliert wurde und als Auslöser der Krankheit Aids feststand, schien die restliche Erforschung der Krankheit nur noch eine Frage der Zeit. Doch das Virus erwies sich als komplexer als gedacht, weshalb es bis heute nicht vollständig verstanden wird. Einen wichtigen Etappenerfolg in der Aidsforschung kann jetzt der Erlanger Wissenschaftler Andreas Baur verzeichnen. Er weist nach, dass die Immunschwäche, die von Aids ausgelöst wird, nicht allein vom Erreger – dem HI-Virus – verursacht wird: Vielmehr programmiert der Erreger das Immunsystem derart um, dass auch nicht infizierte Zellen angegriffen werden. Seine spektakulären Erkenntnisse wurden nun in der anerkannten Expertenzeitschrift „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht.

Zentrale Rolle der CD4-Zellen


Im Zentrum einer Aids-Erkrankung stehen die CD4-Helferzellen. Sie erkennen in einem funktionierenden Immunsystem gefährliche Erreger und bringen den Abwehrmechanismus des Körpers in Gang. Damit das Immunsystem effektiv gegen Krankheiten arbeitet, können diese Zellen Informationen über zu bekämpfende Erreger untereinander austauschen und damit das ganze System auf einen Erreger justieren.

Bereits seit den 80er-Jahren ist bekannt, dass sich der HI-Virus in diesen CD4-Helferzellen reproduziert und diese im Laufe der Zeit zerstört. Bei unbehandelten Aidskranken werden täglich eine Milliarde dieser CD4-Zellen abgetötet. Das sind so viele wie in einem Liter Blut vorhanden sind. Die Folge: Selbst kleinste Erkrankungen, die für ein gesundes Immunsystem kein Problem darstellen – wie beispielsweise eine Erkältung – werden zur tödlichen Bedrohung. „Die Lehrmeinung, dass die CD4-Helferzellen allein vom Virus zerstört werden, schien so überzeugend, dass sie über Jahre hinweg nicht angezweifelt wurde“, schildert Baur.

Protein programmiert Helferzellen um


In seinen Forschungen kommt er aber zu einem Ergebnis, dass diese Meinung nicht nur zweifelhaft erscheinen lässt, sondern heftig ins Wanken bringt. Im Zentrum seiner Arbeit steht das einzige noch unerforschte Protein des Virus: das Nef-Protein. Ohne dieses bricht die Krankheit nicht aus und die Reproduktion des Virus wird stark eingeschränkt. „Viele vermuten daher, dass die Lösung des Aids-Rätsels in direktem Zusammenhang mit der Entschlüsselung dieses Proteins steht“, erklärt Baur die Bedeutung von Nef. Aus diesem Grund machte er es sich zur Aufgabe, Nef zu enträtseln.

Baur kommt zu dem Schluss, dass das Nef-Protein in infizierten CD4-Helferzellen hergestellt wird, in der Folge aber mittels mikroskopisch kleiner Teilchen (Vesikeln) an nicht infizierte Helferzellen weitergegeben wird. Auf diese Weise werden weit mehr Zellen befallen als tatsächlich infiziert sind. Dieser Befall nicht-infizierter Zellen durch Nef, so Baur, hat fatale Folgen für deren Funktionsfähigkeit und Überleben und erklärt gut, warum der Zusammenbruch des Immunsystems viel umfassender ist als bislang angenommen. Entgegen der langjährigen Meinung sterben daher nicht nur Helferzellen, die direkt vom Virus befallen sind. Vereinfacht bedeutet dies, dass Aids wie eine Art Autoimmunerkrankung funktioniert, die das Immunsystem des eigenen Körpers angreift. Baurs Berechnungen zufolge sind im Blut von HIV-Patienten ungefähr hundert Mal mehr Immunzellen von Nef befallen als wirklich infiziert sind. Und tatsächlich konnte er nachweisen, dass bis zu 87% der Helferzellen von HIV-Patienten Vesikel bilden, eine typische Folge des Nef-Befalls und ein stichhaltiger Beweis für seine Theorie.

Entdeckung liefert die Erklärung


Die spektakuläre Entdeckung von Baur passt zu den Ergebnissen der jüngeren Forschung und gibt dort Antworten, wo diese noch Fragen offen ließ. So erschütterten 2003 die Ergebnisse von Professor Mark Feinberg von der Emroy Universität von Atlanta die Aids-Forschung. Er stellte fest, dass der Zelltod nicht infizierter und nicht beteiligter Helferzellen der entscheidende Schritt der Immunkrankheit ist. Zu diesem unerwarteten Ergebnis kam er, indem er zwei verschiedene Affenarten mit einem dem HI-Virus ähnlichen Erreger infizierte. Während die eine Affenart Krankheitssymptome entwickelte, blieben diese beim anderen Affen aus – obwohl sich bei beiden Tieren das Virus gleich reproduzierte. Das heißt, das Immunsystem des beinahe symptomfreien Affen war evolutionär besser auf das Virus eingestimmt. Eine schlüssige Erklärung, wie die nicht beteiligten Helferzellen sterben, konnte Feinberg allerdings nicht bieten. Die liefert jetzt Baur mit seinen Erkenntnissen.

Das Rätsel um die Entstehung der Krankheit Aids ist zwar bei Weitem noch nicht gelöst. Aber Baur hat mit seinen Ergebnissen eine wichtige Hürde in der Aids-Forschung genommen. „Wir sind der Lösung auf der Spur“, macht der Erlanger Wissenschaftler Hoffnung.

1 Andreas Baur ist „associate professor für microbiology“ an der University of Miami/USA.

Die Hautklinik Erlangen ist eine Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).

Die Klinik unter Direktion von Prof. Dr. med. univ. Gerold Schuler ist ein international angesehenes Zentrum mit hoher Kompetenz bei Diagnostik und Therapie von Hautkrankheiten.

Pro Jahr werden mehr als 2.500 Patienten stationär sowie etwa 25.000 Patienten ambulant behandelt. Die Klinik verfügt über 48 vollstationäre und 10 tagesklinische Betten auf neu renovierten Stationen. Ebenso bietet die Hautklinik eine Hochschulambulanz sowie Psoriasis- und Neurodermitisschulungen für Betroffene an. Aufgrund der Vielzahl der Hauterkrankungen wurden außerdem zahlreiche Spezialsprechstunden eingerichtet.

Schwerpunkte der Klinik sind unter anderem: Hauttumore und operative Dermatologie, Allergien, Immunerkrankungen, die Behandlung von Psoriasis und Neurodermitis sowie Erkrankungen des Haares. Im Bereich der Andrologie („Männerheilkunde") werden neben der klinischen Basisdiagnostik Potenzstörungen und Störungen der Zeugungsfähigkeit untersucht und behandelt.

Die Hautklinik erforscht neue Wege zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen und Tumorerkrankungen. Sie ist weltweit eine der wenigen Kliniken, die durch eine speziell entwickelte Immuntherapie Patienten mit malignem Melanom auch in fortgeschrittenen Stadien behandeln kann. Bei allen Forschungsprojekten ist es Ziel der Erlanger Klinik, Grundlagenforschung mit klinisch-experimenteller Forschung zum Wohl der Patienten zu kombinieren.


Ansprechpartner für die Redaktionen:
Hautklinik
Dr. med. Andreas Baur
Hartmannstraße 14
91052 Erlangen
Telefon: +49 (0) 9131 85-32783
E-Mail: andreas.baur@uk-erlangen.de

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Marie-Curie-Straße 1
91052 Erlangen
E-Mail: meike.hallbauer@birke.de

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