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Schuppenflechte im Visier

Uni-Klinikum

Schuppenflechte im Visier

Welt-Psoriasis-Tag: Erlanger Dermatologinnen und Dermatologen behandeln die Erkrankung in einem spezialisierten Zentrum

Wer an einem Sommertag zu lange in der Sonne war, kennt die unangenehmen Folgen: Die gerötete Haut juckt und brennt, bis sie sich schließlich schält. Während dieses Leiden in der Regel nach wenigen Tagen überstanden ist, müssen Menschen mit Schuppenflechte dauerhaft mit den juckenden und lästigen Erscheinungsformen der Erkrankung leben. „Heilen lässt sich die Psoriasis zwar noch nicht, aber wir können sie sehr gut behandeln“, sagt Prof. Dr. Michael Sticherling, Sprecher des Psoriasis-Zentrums und stellvertretender Direktor der Hautklinik (Direktorin: Prof. Dr. Carola Berking) des Universitätsklinikums Erlangen. Der Welt-Psoriasis-Tag, der jedes Jahr am 29. Oktober stattfindet, will auf die Erkrankung aufmerksam machen und über Behandlungsmöglichkeiten informieren. 2021 steht der Tag unter dem Motto „Being united – grenzenlos vereint“.

Die Schuppenflechte ist eine der häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen. Allein in Deutschland sind mehr als zwei Millionen Menschen davon betroffen. Die Psoriasis äußert sich mit scharf begrenzten, schuppenden Plaques auf der Haut, besonders an den Ellenbogen, Knien und Ohren sowie an der Kopfhaut, prinzipiell jedoch an allen Körperstellen. „Die Erkrankung kann lokal oder über große Flächen verteilt auftreten und akut, in Schüben oder chronisch verlaufen“, weiß Prof. Sticherling. „Besonders unangenehm ist für Betroffene die Ausbreitung auf den Fingernägeln, der Kopfhaut und in Hautfalten. Diese Körperstellen sind generell schwerer zu behandeln.“

Neben einer erblichen Veranlagung lösen verschiedene Faktoren die Erkrankung aus bzw. verschlimmern die Symptome: etwa Infekte, Medikamente, Umwelteinflüsse oder auch Stress. „Aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse belegen, dass die Krankheit nicht nur die Haut betrifft, sondern dass die Psoriasis aufgrund einer Entzündungsreaktion im gesamten Körper unter Umständen sogar zu Folgeerkrankungen führt“, so Michael Sticherling. „Dazu gehören vor allem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Gicht, ein erhöhtes Körpergewicht, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten leidet an einer Psoriasis-Arthritis (Schuppenflechten-Rheuma), die unterschiedliche Gelenke des Körpers sowie die Sehnenansätze betreffen kann.

Gute Behandlungsoptionen

„Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, sodass für die Schuppenflechte mittlerweile mehr Medikamente zugelassen sind als für jede andere Hauterkrankung“, betont der Dermatologe. „Neben einer lokalen Therapie, gegebenenfalls in Kombination mit einer medizinischen Bestrahlung mit ultraviolettem Licht, stehen uns verschiedene im gesamten Körper wirkende Medikamente zur Verfügung: zum einen konventionelle Wirkstoffe, die schon lange und gut bekannt sind, und zum anderen die sogenannten Biologika.“ Letztere sind Eiweißstoffe, die gezielt gegen entzündungsvermittelnde Botenstoffe im Körper gerichtet sind. Dadurch sind Biologika in der Lage, die Psoriasissymptome schnell und effizient zu unterdrücken.

Ganzheitliche Therapie im Psoriasis-Zentrum

Schuppenflechte führt nicht nur zu körperlichen Beschwerden, sondern auch zu erheblichen psychischen und psychosozialen Einschränkungen für die Betroffenen und ihr Umfeld. „Daher muss die Versorgung ganzheitlich angelegt sein“, sagt Prof. Sticherling. Im Erlanger Psoriasis-Zentrum versorgen die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegefachkräfte die Patientinnen und Patienten im ambulanten, tagesklinischen und stationären Bereich – immer im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachdisziplinen, etwa der Rheumatologie und der Gastroenterologie. „In unserem wöchentlichen ‚Entzündungsboard‘ tauschen wir uns über die besten Therapieoptionen für unsere Patientinnen und Patienten aus – ähnlich einem Tumorboard. Ein weiteres Augenmerk unseres interdisziplinären Zentrums liegt auf der Grundlagen- und der klinischen Forschung: Wir führen hier beispielsweise kontrollierte klinische Studien zur Weiterentwicklung der therapeutischen Möglichkeiten der Schuppenflechte durch“, erläutert Michael Sticherling.

Das Erlanger Psoriasis-Zentrum ist zusammen mit niedergelassenen Hautärztinnen und -ärzten sowie Kliniken der Metropolregion Nürnberg Mitglied eines der sogenannten Regionalen Psoriasisnetze Deutschland. Dadurch wird eine optimale Behandlung auf stets aktuellem wissenschaftlichem Stand gewährleistet. Darüber hinaus finden auch regelmäßig Patientenschulungen statt, um Betroffene über das komplexe Krankheitsbild der Schuppenflechte und über die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. „Außerdem wollen wir Erkrankten dabei helfen, mit ihrer Psoriasis zu leben und ihren Alltag besser zu bewältigen“, so der Sprecher des Zentrums. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Schuppenflechte sich sehr gut behandeln lässt. Das hatte erfreulicherweise auch Auswirkungen auf die Therapieoptionen anderer entzündlicher Hauterkrankungen wie der Neurodermitis, die wir ebenfalls in unserem Zentrum behandeln.“

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Michael Sticherling
Telefon: 09131 85-33851
E-Mail: michael.sticherling(at)uk-erlangen.de